Vortrag zum Thema Mobbing von Frau Dr. Schäfer
im Rahmen des pädagogischen Tages vom 20.11.2007
Frau Dr. Mechthild Schäfer, PD am Lehrstuhl für pädagogische Psychologie an der LMU München, stellte in einem zweistündigen Vortrag die Thematik "Mobbing" sowohl aus wissenschaftlicher Perspektive als auch unter praxisnahen Gesichtspunkten umfangreich dar. Die wesentlichen Erkenntnisse hier in der Kurzfassung:
1. Ansatz und Definition:
- Opfer-Täter-Problematik darf nicht im Zentrum stehen, Problematik muss im Gruppenkontext beleuchtet werden
- soziale Stellung in der Gruppe ist entscheidend für Opfer-Täter-Zugehörikeit
- Mitschülerrollen ( Urteil der Mitschüler):
Täter (Initiatoren) 9 %
Assistenten ( Mitstreiter) 14%
Verstärker (z.B. durch Anfeuern, Klatschen 9%
Verteidiger (prosoziale Aktion) 20%
Außenstehende (neutral) 24%
Opfer 12%
Ohne Rolle (keine klare Identifikation möglich) 12%
- Definition Bullying: eine soziale Form von Aggression, die unter Stress aktiviert wird und den körperlich Überlegenen in den Mittelpunkt stellt
- Definition Mobbing: wiederholter systematischer Missbrauch sozialer Macht, verborgene Aktivität in kontrollfreien Räumen, Konzentration auf eine Person
- Dabei wird unterschieden zwischen verbaler Aggression, körperlicher A. und Beziehungsaggression
- Keine Geschlechtsunterschiede zwischen Buben und Mädchen
2. Bedingungen für das Auftreten von Mobbing:
- nur Gruppen, die unter Stress stehen, prägen Rangordnungen aus, die Einzelne unterdrücken
- Rangordnungen per se existieren in allen Gruppen und sind auch sinnvoll
3. Unterschied zwischen aggressivem Verhalten und Mobbing:
- Aggression muss erlernt werden, das Einüben in spielerischer Form ist notwendig; d.h. nicht jede Rauferei ist ernsthaft und muss vom Lehrer sanktioniert werden
4. No-goes:
- Gefahr der weiteren Stigmatisierung, wenn sich Lehrer schützend vor das Opfer stellt
- Opfer und Täter zusammenbringen
5. Conclusio und Prävention
- Vorbildfunktion des Lehrers, Alpharolle des Lehrers darf in keiner Situation anzweifelbar sein, wichtig ist der respektvolle Umgang miteinander
- keine verbale Aggression, Abwertung einzelner Schüler
- Täterverhalten sanktionieren und Klassenregeln einhalten
- Team bilden, aber nicht Täter ausgrenzen
- erfährt Opfer keinen Schutz, steigt das Bewusstsein für eigene Wetlosigkeit
- kein Kind ist selbst schuld, wenn es gemobbt wird
- Vorsicht vor intermittierender Verstärkung (tritt auf, wenn sich die Lehrkräfte einer Schule über die Maßnahmen gegenüber Mobbern nicht übereinstimmend verhalten)
A. Neumayer, ITG