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Bürgerkulturpreis 2010 des Bayerischen Landtags  für das Dachauer Gedächtnisbuch-Projekt

ITG-Schüler bei der Preisverleihung im Landtag


Am 6. Dezember 2010 erhielt das Erinnerungsprojekt „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“ den ersten Preis des Wettbewerbs um den Bürgerkulturpreis 2010 im Bayerischen Landtag. Da seit dem September 2010 am ITG ein W-Seminar mit dem Titel „Namen statt Nummern“ angeboten wird und 13 SchülerInnen unter der Leitung von OStRin Hedi Bäuml an Biographien über ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau arbeiten, wurde auch uns die Ehre zuteil, an der Preisverleihung im Landtag teilnehmen zu dürfen.
Der erste Preis, der mit 12.000 € dotiert  war, stand unter dem Motto „Initiativen für eine Kultur des Erinnerns“ und wurde im Landtag von Landtagspräsidentin Barbara Stamm verliehen. Während der Feierstunde, an der mehrere Landtagsabgeordnete, Vertreter der Gedenkstätte und auch der Oberbürgermeister der Stadt Dachau,  Peter Bürgel , teilnahmen, würdigte Max Mannheimer, Vorsitzender der Lagergemeinschaft und Vizepräsident des CID, die Leistungen des Gedächtnisbuches, die die Biographien Einzelner in den Mittelpunkt stellen und ihnen damit einen Teil ihrer Würde zurückgäben.
Bisher sind ca. 150 sogenannte „Gedächtnisblätter“ über Häftlinge des KZ Dachau erstellt worden. Durch die Recherchearbeit über die Biographien der KZ-Insassen bietet sich den Schülern die Möglichkeit  über die Geschichte eines Einzelnen sich an die Geschichte des Nationalsozialismus anzunähern und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.
Neu ist, dass sich erstmals ein ganzer Kurs mit dem Thema beschäftigt. Dieser  findet nicht nur in Kooperation mit dem Gedächtnisbuch-Projekt, sondern auch  mit der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau sowie mit dem Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverband statt. Die SchülerInnen besuchten im Rahmen des Seminars mehrmals die Gedenkstätte und hatten dort die Gelegenheit, sich für einen Häftling zu entscheiden. Dabei entstehen Biographien über Leute, die aus der Stadt Dachau oder aus dem Landkreis stammten, über ehemalige jüdische Lehrer, Künstler oder Rabbiner, wie z. B. Georg Scherer, den späteren Dachauer Bürgermeister, Josef Andrä, einem Sozialdemokraten aus Asbach, Dr. Ernst Jakob, ehemaliger Rabbiner in Augsburg oder die Holländerin Hendrika Heinsius.
Unterstützung erhalten die SchülerInnen nicht nur von ihrer Lehrerin, sondern auch von der Leiterin des Projekts „Das Lager und der Landkreis“, Sabine Gerhardus, und der wissenschaftlichen Beraterin und Historikerin Dr. Rebecca Heinemann. So gerüstet ,wurde und wird im Moment noch in diversen Archiven und Bibliotheken nach Quellen über die ehemaligen KZ-Häftlinge geforscht, Interviews geführt und transkribiert oder sogar die Deutsche Schrift bzw. Süterlin gelernt, um alte Briefe oder Aufzeichnungen lesen zu können.
Die fertigen Gedächtnisblätter werden der Öffentlichkeit alljährlich im Rahmen einer Feierstunde in der Gedenkstätte präsentiert. Am 22. März 2012 werden dort auch die Arbeiten der ITG-SchülerInnen kurz vorgestellt und die Blätter signiert.
Bis dahin wartet allerdings noch viel Arbeit auf die SeminarteilnehmerInnen, die jedoch sicher sein können, dass ihre Arbeiten gelesen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, da das Gedächtnisbuch mit den jeweiligen Gedächtnisblättern in der Evangelischen Versöhnungskirche ausliegt und damit jedem Besucher zugänglich ist. Außerdem haben sie einen wertvollen Beitrag geleistet, um Menschen, die im KZ Dachau Unsägliches erlitten haben, einen Teil ihrer Würde, v. a. aber ihren Namen zurückgegeben haben, sodass sie nicht in Vergessenheit geraten.

Hedi Bäuml, ITG

Hedi Bäuml, Sabine Gerhardus und Dr. Rebecca Heinemann mit Schülerinnen und Schülern des ITG

Dr. Max Mannheimer